ifo im August: Weniger Pessimismus am Bau, mehr Stornierungen im Wohnungsbau
Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt auf 88,8 Punkte, das Bauhauptgewerbe blickt weniger düster nach vorn. Im Wohnungsbau sinkt der Anteil der Betriebe mit Auftragsmangel – aber jedes achte Unternehmen meldet Stornierungen. Was das für die Außenanlagen bedeutet.
- ifo-Geschäftsklima im August 88,8 Punkte nach 86,7; im Bauhauptgewerbe steigen die Erwartungen, die Lage wird leicht schlechter bewertet.
- Wohnungsbau im Juli: −29,3 Punkte (Juni −30,6), Auftragsmangel 41,2 statt 43,7 Prozent, Stornierungen 13,1 statt 11,4 Prozent.
- Steigende Genehmigungen sind ein Signal für 2027, steigende Stornierungen eines für jetzt – Bauträgerprojekte im Auftragsbestand prüfen.
Das ifo-Geschäftsklima ist im August deutlicher gestiegen als erwartet: 88,8 Punkte nach 86,7 im Juli. Industrie, Handel, Dienstleister und Bau zeigen sich zuversichtlicher. Im Bauhauptgewerbe geht der Anstieg auf merklich weniger pessimistische Erwartungen zurück; die Urteile zur aktuellen Lage wurden dagegen leicht nach unten korrigiert. Die Stimmung dreht – das Geschäft noch nicht.
Wohnungsbau: Zwei Zahlen, zwei Richtungen
Genauer hingesehen hat das ifo Institut Mitte August beim Wohnungsbau, dem Segment, das für den GaLaBau als Vorlauf der Privatgarten- und Außenanlagenaufträge entscheidend ist. Das Geschäftsklima lag im Juli bei −29,3 Punkten, nach −30,6 im Juni – eine leichte Verbesserung auf tiefem Niveau. Der Anteil der Unternehmen, die über zu wenige Aufträge klagen, sank von 43,7 auf 41,2 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Betriebe mit stornierten Projekten von 11,4 auf 13,1 Prozent. Materialengpässe meldeten noch 8,5 Prozent, nach 9,7 im Vormonat.
„Der Anstieg der Baugenehmigungen arbeitet sich langsam durch die Branche“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen. Bis daraus eine breite Erholung werde, sei es noch ein weiter Weg. Die Auftragslage bewege sich in die richtige Richtung, zugleich würden wieder mehr Projekte abgesagt – ein Zeichen dafür, wie fragil die Erholung im Wohnungsbau bleibe.
Was das für GaLaBau-Betriebe heißt
Die Außenanlage kommt am Ende. Zwischen Baugenehmigung und Pflanzung liegen bei Einfamilienhäusern in der Regel ein bis zwei Jahre, bei Wohnanlagen länger. Steigende Genehmigungen sind deshalb ein Signal für 2027, nicht für den Herbst 2026. Die steigenden Stornierungen sind dagegen ein Signal für jetzt: Wer Außenanlagen für Bauträger im Auftragsbestand hat, sollte die Projekte durchgehen und bei den Auftraggebern nachfragen, ob sie stehen. Ein storniertes Bauvorhaben nimmt die Außenanlage mit – und wer Material dafür bestellt hat, sitzt darauf.
Für das Privatkundengeschäft im Bestand gilt die Konjunktur nur eingeschränkt. Gartenumbauten, Terrassen und Pflegeverträge hängen von den Einkommen und der Stimmung der Eigentümer ab, nicht von Genehmigungen; die Frühjahrs- und Herbstumfragen des BGL zeigen hier seit Jahren stabile Auftragsbücher bei dünnen Margen. Die Betriebe, die 2026 gut ausgelastet sind, haben ihre Kundenstruktur in Richtung Bestand und Kommune verschoben – und warten mit dem Neubau, bis er kommt.
Der Blick nach Nürnberg
In drei Wochen beginnt die GaLaBau in Nürnberg, und die Stimmung auf der Messe wird besser sein als die Zahlen. Das war 2024 so, das wird 2026 so sein. Der Unterschied zu 2024: Die Erwartungen der Bauunternehmen haben aufgehört zu sinken. Das ist noch kein Aufschwung. Es ist der Punkt, an dem Betriebe ihre Kapazitäten für 2027 planen sollten – und der Punkt, an dem Fachkräfte wieder knapper werden, weil auch die Wettbewerber ihn sehen.
Quellen
- ifo Institut: Geschäftsklima im Wohnungsbau leicht verbessert, Konjunkturumfrage vom 17. August 2026 (Juli: −29,3 Punkte nach −30,6; Auftragsmangel 41,2 Prozent nach 43,7; Stornierungen 13,1 Prozent nach 11,4; Materialengpässe 8,5 Prozent nach 9,7; Zitate Klaus Wohlrabe) – www.ifo.de/en/facts/2026-08-17/business-climate-residential-construct...
- ifo Geschäftsklimaindex August 2026: 88,8 Punkte nach 86,7 im Juli, zitiert nach finanzen.net – www.finanzen.net/nachricht/aktien/ifo-index-im-blick-ifo-geschaeftskl...
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