Die Branche hat kein Nachwuchsproblem. Sie hat ein Bleibeproblem.
8.089 Auszubildende, so viele wie lange nicht – und trotzdem fehlen überall Leute. Wer die Zahlen nebeneinanderlegt, sieht: Der GaLaBau verliert seine Fachkräfte nicht an der Schule, sondern im dritten Jahr nach der Prüfung.
- Die Ausbildungszahlen steigen seit Jahren; der Engpass entsteht danach, wenn Gesellen den Betrieb wechseln oder die Branche verlassen.
- Jede zweite Kündigung geht heute vom Mitarbeiter aus – und die Gründe liegen auf der Baustelle, nicht in der Lohntabelle.
- Die Redaktion meint: Wer Vorarbeiter ausbildet, Jahresgespräche führt und Laufbahnen anbietet, löst das Problem im eigenen Haus – und muss auf keine Politik warten.
Dieser Text ist ein Kommentar. Er gibt die Meinung der Redaktion wieder, nicht zwingend die der Betriebe, die wir zitieren.
In zwei Wochen wird in Nürnberg wieder über den Nachwuchs geredet. Es wird Podien geben, Bildungspreise, Kampagnen mit jungen Gesichtern, und alle werden sich einig sein, dass die Branche mehr Auszubildende braucht. Die Zahlen sagen etwas anderes: 8.089 junge Menschen lernen derzeit den Beruf des Landschaftsgärtners, 3.221 haben 2025 begonnen – mehr als im Jahr davor, mehr als in fast jedem Jahr zuvor. Der GaLaBau bildet aus wie kaum eine andere grüne Branche. Das Problem beginnt nach der Prüfung.
Wer die Betriebe fragt, wo ihre Gesellen von vor drei Jahren sind, bekommt eine Liste: der eine beim Wettbewerber, der nächste im Tiefbau, die dritte im Büro eines Planers, zwei in ganz anderen Berufen. Jede zweite Kündigung in Deutschland geht inzwischen vom Arbeitnehmer aus, und die meisten haben die nächste Stelle in der Tasche, bevor sie das Gespräch suchen. Eine Fachkraft im Baugewerbe zu ersetzen dauert im Schnitt 166 Tage. In dieser Zeit bildet der Betrieb den nächsten Azubi aus, der in drei Jahren dieselbe Liste verlängert.
Es liegt nicht am Geld
Die naheliegende Antwort ist die Lohntabelle. Sie ist falsch, oder zumindest zu einfach. Der Tarif ist 2025 um 3,2 Prozent gestiegen, 2026 um 3,3, der Ecklohn liegt bei 20,91 Euro – Betriebe, die tarifnah zahlen, verlieren trotzdem Leute. Was Wechsler nennen, wenn man sie fragt, ist fast immer dasselbe: die Kolonne, der Ton, das Gefühl, nicht gesehen zu werden, der Vorarbeiter, der alles selbst macht, das Jahr ohne ein einziges Gespräch, in dem es nicht um die nächste Baustelle ging.
All das passiert auf der Baustelle, und dort hat der Inhaber keinen Einfluss – außer über die Person, die er dort hinstellt. Der Vorarbeiter ist die wichtigste Führungskraft der Branche und die einzige, die niemand ausbildet. Wer Vorarbeiter nach Dienstalter ernennt, ihnen keine Zeit zum Führen kalkuliert und sie vor der Kolonne korrigiert, braucht sich über Kündigungen nicht zu wundern.
Was Betriebe tun können, ohne auf jemanden zu warten
Drei Dinge, keines davon kostet Geld, das nicht ohnehin verloren geht. Erstens: Vorarbeiter auswählen, vorbereiten und bezahlen, als wären sie das, was sie sind – Führungskräfte. Zweitens: ein Jahresgespräch im November, unter vier Augen, ohne Bewertungsbogen, mit der Frage, was passieren müsste, damit der Mitarbeiter in fünf Jahren noch da ist. Drittens: Laufbahnen, die man aussprechen kann. Der Geselle, der weiß, dass nach dem Baggerschein die Kolonne kommt, nach der Kolonne die Bauleitung und nach der Bauleitung vielleicht eine Beteiligung, sucht nicht im Winter nach einer Alternative. Der Geselle, der das alles nicht weiß, sucht.
Die Politik kann Visastellen beschleunigen und Ausbildungsvergütungen festlegen. Das Bleiben entscheidet sich im Betrieb. Wer in Nürnberg über Nachwuchs redet, sollte deshalb zuerst über Vorarbeiter reden.
Quellen
- BGL: Ausbildungszahlen 2025 (8.089 Auszubildende, 3.221 Neuverträge), zitiert nach Gabot.de, 25. Februar 2026 – www.gabot.de/ansicht/galabau-azubi-zahlen-klettern-auf-fast-8100-439688.html
- Institut der deutschen Wirtschaft: Arbeitnehmer kündigen zunehmend selbst (52 Prozent Eigenkündigungen), 22. April 2025 – www.iwkoeln.de/studien/holger-schaefer-arbeitnehmer-kuendigen-zunehme...
- Bundesagentur für Arbeit: Monatsbericht Januar 2026 (Vakanzzeit im Baugewerbe 166 Tage) – statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/202601/arbeitsmarkt...
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