Das Jahresgespräch: Wie Betriebe im November klären, wer im März noch da ist
Wer geht, entscheidet das meist im Winter. Ein strukturiertes Gespräch vor der Saisonpause kostet eine Stunde pro Mitarbeiter – und ist das günstigste Instrument gegen Kündigungen im Frühjahr.
- Jede zweite Kündigung kommt vom Mitarbeiter, der Wechselzeitpunkt liegt im Winter – das Gespräch im November kommt vor der Kündigung.
- Drei Teile, eine Regel: Rückblick, Ausblick, Entwicklung – und der Mitarbeiter redet zuerst; Gehalt bekommt einen eigenen Termin im Januar.
- Drei Punkte je Mitarbeiter mit Termin aufschreiben und im Februar Bilanz ziehen: Mitarbeiter verzeihen ein Nein, aber kein Vergessen.
Jede zweite Beendigung eines Arbeitsverhältnisses in Deutschland geht inzwischen vom Arbeitnehmer aus, und die meisten, die kündigen, haben die nächste Stelle bereits in der Tasche. Im GaLaBau liegt der Wechselzeitpunkt fast immer im Winter: Die Saison ist vorbei, der Jahresurlaub genommen, die Kündigungsfrist reicht bis zum Saisonstart beim neuen Betrieb. Wer das Gespräch mit seinen Leuten erst führt, wenn die Kündigung auf dem Tisch liegt, führt es zu spät.
Warum ein Gespräch – und nicht die Weihnachtsfeier
Auf der Weihnachtsfeier sagt niemand, dass er unzufrieden ist. Im Jahresgespräch, unter vier Augen, mit einer Stunde Zeit und ohne Bewertungsbogen, sagen es die meisten – wenn der Betrieb fragt und nicht erklärt. Das Gespräch hat drei Teile und eine Regel: Der Mitarbeiter redet zuerst.
Rückblick. Was lief in dieser Saison gut, was hat genervt? Welche Baustellen, welche Kollegen, welche Abläufe? Hier kommen die Dinge zutage, die keiner im Alltag anspricht: die Kolonne, die nicht funktioniert, das Fahrzeug, das seit Juni Probleme macht, die Baustellenleitung, die Material zu spät bestellt.
Ausblick. Was soll im nächsten Jahr anders sein? Mehr Verantwortung, ein anderer Vorarbeiter, die Maschinenqualifizierung, der Motorsägenschein, weniger Montage, feste Freitage? Dieser Teil liefert die Liste, mit der der Betrieb im Winter arbeiten kann.
Entwicklung. Wo sieht sich der Mitarbeiter in drei Jahren? Vorarbeiter, Bauleiter, Meisterschule, selbstständig? Wer das weiß, kann Wege anbieten – und weiß auch, wen er im Frühjahr vermutlich verliert.
Was der Betrieb danach tut
Das Gespräch ist wertlos, wenn danach nichts passiert. Drei Punkte pro Mitarbeiter, aufgeschrieben, mit Termin: Bis wann ist die Motorsägenschulung gebucht, ab wann läuft die neue Kolonnenaufteilung, wann wird das Fahrzeug getauscht. Im Februar, vor dem Saisonstart, gibt es ein Kurzgespräch: Das haben wir umgesetzt, das nicht, aus diesem Grund. Mitarbeiter verzeihen ein Nein. Sie verzeihen kein Vergessen.
Der Aufwand
Ein Betrieb mit 20 Mitarbeitern braucht für die Gespräche drei Arbeitstage des Inhabers oder der Bauleiterin – im November, wenn die Baustellen ruhen. Die Alternative kostet mehr: Eine Fachkraft im Frühjahr zu ersetzen dauert nach den Zahlen der Bundesagentur im Baugewerbe im Schnitt über fünf Monate, und in dieser Zeit fehlt die Kolonne, nicht nur der Mann.
Für kleine Betriebe
Wer mit fünf Leuten arbeitet, kennt seine Mitarbeiter und glaubt, das Gespräch nicht zu brauchen. Die Erfahrung zeigt das Gegenteil: Gerade im kleinen Betrieb spricht niemand aus, was stört, weil es persönlich wird. Ein fester Termin macht es sachlich. Eine Stunde, ein Tisch, ein Kaffee – und die Frage, die den Unterschied macht: „Was müsste passieren, damit du in fünf Jahren noch hier bist?“
Quellen
- Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Holger Schäfer: Arbeitnehmer kündigen zunehmend selbst, 22. April 2025 (Anteil der Eigenkündigungen an allen Beendigungen 52 Prozent; 84 Prozent mit neuer Stelle in Aussicht) – www.iwkoeln.de/studien/holger-schaefer-arbeitnehmer-kuendigen-zunehme...
- Bundesagentur für Arbeit: Presseinfo Nr. 44 vom 30. Oktober 2025 – Der Arbeitsmarkt im Oktober 2025 – www.arbeitsagentur.de/presse/2025-44-arbeitsmarkt-im-oktober-2025
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