Die ersten 90 Tage: Warum neue Mitarbeiter im GaLaBau in der Probezeit gehen
Die Suche war lang, der Vertrag ist unterschrieben – und nach sechs Wochen kündigt der neue Landschaftsgärtner. Meist liegt es nicht an ihm. Ein Plan für die ersten drei Monate, der sich in Betrieben bewährt hat.
- 166 Tage dauert eine Besetzung im Baugewerbe – geht der Neue nach sechs Wochen, beginnt die Rechnung von vorn.
- Das Muster: nicht eingeplant, falsche Kolonne, keine Regeln erklärt, niemand fragt nach – nach sechs Wochen ruft der alte Betrieb an.
- Ein Plan über 90 Tage mit Nachricht vor dem ersten Tag, vorbereitetem Platz, festem Ansprechpartner und regelmäßigen Gesprächen macht aus der Formalität eine soziale Aufgabe.
Eine Stelle im Baugewerbe zu besetzen dauert im Schnitt 166 Tage, sagt die Bundesagentur. Wenn der neue Mitarbeiter dann nach sechs Wochen wieder geht, beginnt die Rechnung von vorn – und die meisten Betriebe wissen nicht einmal, warum. Gespräche mit Betriebsinhabern und Vorarbeitern zeigen ein Muster: Es liegt selten am Gehalt, häufig am Anfang.
Was in den ersten Wochen schiefgeht
Der neue Kollege kommt am Montag um sieben auf den Hof, niemand hat ihn eingeplant, der Chef ist auf einer Baustelle. Er fährt mit irgendeiner Kolonne mit, bekommt eine Schaufel und erfährt am Mittwoch beiläufig, dass er eigentlich für die Pflasterkolonne gedacht war. Nach zwei Wochen kennt er die Namen, aber nicht die Regeln: Wer bestellt Material, wer entscheidet auf der Baustelle, wann ist Feierabend, was passiert bei Regen? Nach vier Wochen hat er den Eindruck, dass es keinen interessiert, ob er bleibt. Nach sechs Wochen ruft der alte Betrieb an.
Ein Plan für 90 Tage
Vor dem ersten Tag. Der Neue bekommt eine Woche vorher eine Nachricht: Wann, wo, bei wem er sich meldet, was er mitbringt, mit welcher Kolonne er startet. Kleidung und Ausrüstung liegen bereit, der Name steht auf dem Spind.
Tag 1. Der Inhaber oder Bauleiter ist da. Eine halbe Stunde Rundgang, Vorstellung im Team, dann die Kolonne, in der er die ersten vier Wochen bleibt – nicht wechselnd. Ein fester Ansprechpartner (Pate) wird benannt: ein erfahrener Mitarbeiter, der Fragen beantwortet, die man dem Chef nicht stellt.
Woche 1. Sicherheitsunterweisung, Maschineneinweisung, die ungeschriebenen Regeln des Betriebs. Am Freitag ein kurzes Gespräch mit dem Paten: Was war gut, was fehlt?
Woche 4. Gespräch mit dem Inhaber oder Bauleiter: Wie läuft es, was hat der Neue erwartet, was hat er vorgefunden? Jetzt kommen die Punkte auf den Tisch, die sonst zur Kündigung führen.
Woche 8. Erste eigene Verantwortung: ein Teilbereich der Baustelle, eine Maschine, ein Lehrling, der ihm zugeordnet wird. Wer Verantwortung bekommt, bleibt.
Woche 12. Probezeitgespräch mit Entscheidung – und mit dem Blick nach vorn: Was sind die nächsten Schritte im Betrieb, welche Weiterbildung, welche Rolle in der nächsten Saison?
Was das kostet
Rund vier Stunden Zeit des Inhabers oder Bauleiters, verteilt auf drei Monate, und die Bereitschaft eines erfahrenen Mitarbeiters, Pate zu sein. Gegenüber 166 Tagen erneuter Suche ist das die günstigste Personalmaßnahme, die ein Betrieb ergreifen kann.
Quellen
- Institut der deutschen Wirtschaft (IW): Arbeitnehmer kündigen zunehmend selbst, 22. April 2025 (Eigenkündigungen 52 %) – www.iwkoeln.de/studien/holger-schaefer-arbeitnehmer-kuendigen-zunehme...
- Bundesagentur für Arbeit: Monatsbericht Januar 2026 (abgeschlossene Vakanzzeit 166 Tage) – statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/202601/arbeitsmarkt...
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