Herbstpflanzung: Warum Oktober der beste Monat für Gehölze ist – und was dabei schiefgeht

Warmer Boden, kühle Luft, Regen in Sicht: Der Herbst gibt Gehölzen einen Vorsprung, den das Frühjahr nicht bietet. Worauf es bei wurzelnackter Ware, Ballen und Containern ankommt und welche Arten trotzdem warten sollten.

Landschaftsgärtner setzt im Oktober einen Ballenbaum in eine vorbereitete Pflanzgrube, Laub auf dem Boden
Der Boden hält die Sommerwärme bis in den November – die Wurzeln arbeiten weiter, während oben nichts mehr passiert. Symbolbild
Kurz gesagt
  • Im Oktober ist der Boden noch über zehn Grad warm, die Luft kühl: Gehölze bilden Wurzeln, ohne dass die Krone Wasser verlangt.
  • Wurzelnackte Ware ab Mitte Oktober, Ballenware ab Oktober, Container ganzjährig – Immergrüne, Gräser und frostempfindliche Arten lieber im Frühjahr.
  • Die häufigsten Fehler: zu spät bestellt, zu lange gelagert, zu tief gepflanzt, zu wenig gewässert.

Der Kalender vieler Betriebe sagt: Pflanzen im Frühjahr, wenn die Kunden Lust auf den Garten haben. Die Pflanze sagt etwas anderes. Im Oktober liegt die Bodentemperatur in den oberen 30 Zentimetern meist noch über zehn Grad, während die Luft abkühlt und der Austrieb ruht. Genau in dieser Lücke bilden Gehölze neue Feinwurzeln – ohne dass die Krone Wasser verlangt. Wer jetzt pflanzt, hat im Mai eine Pflanze, die bereits eingewachsen ist. Wer im April pflanzt, hat eine Pflanze, die gleichzeitig Wurzeln bilden, austreiben und einen trockenen Mai überstehen muss.

Welche Ware wann

Wurzelnackte Gehölze – Hecken, Wildgehölze, Obstbäume, junge Alleebäume – werden in der Baumschule ab Mitte Oktober gerodet, sobald das Laub fällt. Sie sind günstig, leicht und lassen sich schnell setzen, vertragen aber keine Trockenheit an der Wurzel. Zwischen Rodung und Pflanzung sollten Tage liegen, nicht Wochen; auf der Baustelle gehören sie in den Einschlag, feucht und schattig.

Ballenware kommt ab Oktober aus der Baumschule. Der Ballen bleibt beim Pflanzen im Tuch und Drahtkorb – beides verrottet – und wird nur oben gelöst. Ballen dürfen nicht durchfrieren und nicht austrocknen: Ware, die im Januar wochenlang auf dem Hof steht, ist im Frühjahr oft nicht mehr zu retten.

Containerpflanzen lassen sich theoretisch ganzjährig setzen. Im Herbst haben sie denselben Vorteil wie alle anderen: Sie wurzeln in den Boden, bevor der erste Trockenstress kommt.

Was warten sollte

Nicht jede Art profitiert vom Herbst. Frostempfindliche und immergrüne Gehölze – Kirschlorbeer, Glanzmispel, viele Rhododendron-Sorten, Eibe in exponierten Lagen – verdunsten auch im Winter über das Laub und können bei gefrorenem Boden nicht nachliefern. Sie werden besser im September oder ab März gepflanzt. Gleiches gilt für Gräser und viele Stauden, die als Jungpflanzen nasse, kalte Wintermonate schlecht überstehen. Gehölze mit frostempfindlichem Holz, etwa Walnuss oder Trompetenbaum, setzt man ebenfalls lieber im Frühjahr.

Die Regel aus der DIN 18916Gepflanzt wird in frostfreiem, nicht wassergesättigtem Boden. Die Pflanzgrube ist deutlich größer als der Ballen, die Sohle wird gelockert, nicht verdichtet. Die Pflanze steht so tief wie in der Baumschule – der Wurzelhals darf nicht unter der Erde verschwinden. Nach dem Pflanzen wird eingeschlämmt, auch bei Regen. Bäume bekommen einen Dreibock oder Pfähle mit Kokosstrick, keinen Draht.

Die häufigsten Fehler

Der erste Fehler passiert vor der Baustelle: zu spät bestellte Ware, die im November nicht mehr in gewünschter Qualität lieferbar ist. Der zweite passiert auf dem Hof: Ballen und wurzelnackte Ware, die tagelang ungeschützt liegen. Der dritte in der Grube: zu tief gepflanzt, weil die Grube zu großzügig ausgehoben und der Boden nachgesackt ist. Der vierte im Frühjahr: kein Wässern, weil „es ja geregnet hat“. Ein Regenschauer bringt selten mehr als fünf Liter auf den Quadratmeter – ein Ballen braucht ein Vielfaches.

Für die Kalkulation

Herbstpflanzungen reduzieren Ausfälle und damit die teuerste Position im Pflanzgeschäft: das Nachpflanzen unter Gewährleistung. Wer Kunden im Sommer berät, kann die Pflanzung auf Oktober legen und die Bauzeit dadurch aus dem überlasteten Frühjahr holen. Für die Kolonne heißt das: Pflanzarbeiten im Herbst, Wegebau und Mauern im Frühjahr. Die Baumschulen liefern seit Jahren Argumente dafür – die Auftragsbücher der Betriebe sehen trotzdem noch anders aus.

Quellen

  1. DIN 18916: Vegetationstechnik im Landschaftsbau – Pflanzen und Pflanzarbeiten (DIN Media)
  2. Bund deutscher Baumschulen (BdB): Gütebestimmungen für Baumschulpflanzen
  3. FLL: Empfehlungen für Baumpflanzungen – Teil 2: Standortvorbereitungen für Neupflanzungen; Pflanzgruben und Wurzelraumerweiterung, Bauweisen und Substrate – www.fll.de/

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