Schwammstadt: Vom Fachbegriff zum Auftrag
Regenwasser speichern statt ableiten – das Prinzip ist alt, die Nachfrage neu. Kommunen planen Regengärten, Baumrigolen und Versickerungsmulden, Landesgartenschauen zeigen sie, Förderprogramme bezahlen sie. Was GaLaBau-Betriebe wissen müssen.
- Regengärten, Baumrigolen, Entsiegelung, Retentionsdächer und Zisternen: Die Bausteine sind bekannt, neu ist ihre Kombination in kommunalen Aufträgen.
- Die Landesgartenschau 2027 in Büdingen zeigt Regengärten als Kernelement, Nürnberg plant Schwammstadt-Maßnahmen für die Gartenschau 2030; der Grün-Blaue Pfad der GaLaBau 2026 führt durch die Technik.
- Betriebe brauchen dafür Bodenkunde für die Versickerung, die passende Pflanzenverwendung und Referenzen für die Vergabe.
Eine Stadt, die Regenwasser aufnimmt wie ein Schwamm, es speichert und langsam wieder abgibt – dieses Bild hat es aus der Fachplanung in die Gemeinderäte geschafft. Starkregen und Hitzesommer haben dafür gesorgt. Für den Garten- und Landschaftsbau ist die Schwammstadt kein Trend, sondern ein Leistungsbereich, der in den nächsten Jahren einen wachsenden Teil der kommunalen Aufträge ausmachen wird.
Was gebaut wird
Die Bausteine sind bekannt, ihre Kombination ist neu:
- Regengärten und Versickerungsmulden: bepflanzte Senken, in die Regenwasser von Dächern, Wegen und Straßen geleitet wird. Das Wasser versickert, die Pflanzen ertragen Nässe und Trockenheit.
- Baumrigolen: unterirdische Speicher aus Kies oder Substrat, die Straßenwasser aufnehmen und dem Baum in Trockenphasen zur Verfügung stellen. Der Baum wächst besser, das Kanalnetz wird entlastet.
- Entsiegelung: Asphalt und Beton weichen wasserdurchlässigen Belägen, Schotterrasen, Fugenpflaster mit Sickerfuge.
- Retentionsdächer und Zisternen: Speicher, die Wasser zurückhalten und zeitversetzt abgeben oder für die Bewässerung nutzbar machen.
Die Landesgartenschau 2027 in Büdingen zeigt Regengärten als Kernelement, gefördert vom Land Hessen. Nürnberg plant für seine Gartenschau 2030 am Keßlerplatz Schwammstadt- und Entsiegelungsmaßnahmen. Auf der GaLaBau 2026 in Nürnberg führt der Grün-Blaue Pfad durch die Technik dahinter.
Was Betriebe brauchen
Der Auftraggeber ist öffentlich
Schwammstadt-Projekte werden überwiegend von Kommunen, Stadtwerken und Wohnungsunternehmen beauftragt – über Ausschreibungen. Betriebe, die bisher privat gebaut haben, brauchen dafür Präqualifikation, Zugang zu Vergabeplattformen und die Bereitschaft, nach Leistungsverzeichnis zu kalkulieren. Der Einstieg gelingt oft über kleinere Lose: Muldenbau, Pflanzung, Pflege. Wer Referenzen hat, wird zu größeren Projekten eingeladen.
Und die Pflege
Ein Regengarten ist keine Pflasterfläche. Er braucht in den ersten Jahren Pflege, später Kontrolle von Zuläufen und Sedimenten. Betriebe, die Bau und Pflege zusammen anbieten, sichern sich wiederkehrende Aufträge – und sehen als Erste, was funktioniert und was nicht. Dieses Wissen ist in einem Feld, das gerade erst entsteht, mehr wert als jede Maschine.
Quellen
- Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen: Regengärten – Schwammstadtkonzept auf der Landesgartenschau 2027 in Büdingen erleben – llh.hessen.de/bildung/hessische-gartenakademie/gartenschauen/regengar...
- Stadt Nürnberg: Urbane Gartenschau Nürnberg 2030 (Keßlerplatz, Schwammstadt und Entsiegelung) – www.nuernberg.de/internet/stadtportal/urbane_gartenschau_nuernberg.html
- Messe Nürnberg: Der GaLaBau als wichtiger Player bei der Klimaanpassung, Mai 2026 – www.galabau-messe.com/de-de/aktuelles/2026/05/player-bei-der-klimaanpassung
- Messe Nürnberg: Trendbarometer der GaLaBau 2026 (Grün-Blauer Pfad) – www.galabau-messe.com/de-de/presse/pressemitteilungen/2026/01/trendba...
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